Reichsbürger – Reaktion der Gesellschaft auf einen toten Polizisten – Der BRD Schwindel

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von Jochen

Als ich gestern die Nachricht von dem bewaffneten Reichsbürger Wolfgang P. in Georgensgmünd, Mittelfranken, der auf Polizisten geschossen hat, las dachte ich sofort dass man jetzt reagieren müsse. Schon hatte ich mich von meinem ungeliebten – wieder einmal Ramelow – Artikel gelöst und einen neuen Beitrag gestartet. Die Überschrift stand. Und ich saß fest. Was tun sprach Zeus, zumal immer mehr Details durchsickerten.

Details wie sie eben typisch für dieses Land sind. Beginnen wir mal mit Georgensgmünd ein Kaff in Mittelfranken. Der Täter war Jäger, über lange Jahre eigentlich ein angesehenes Mitglied der Gemeinde, bis ihn irgendein Auslöser aus der Bahn warf. Er wurde Reichsbürger. Wie wird man überhaupt Reichsbürger?

Ich hab ein paar Fälle miterlebt und kann diese verallgemeinern. Es wird aber auch noch Millionen anderer Entwicklungswege geben. Meist handelt es sich um politische interessierte Personen, die oft versucht haben, in Parteien und Bürgerbewegungen ihre Interessen durchzusetzen und letztendlich die Erfahrung gemacht haben, dass sie scheinbar nichts bewirken. Meist handelt es sich um Immobilienbesitzer und Leute die eigentlich staatstragend sein sollten und es auch wären, wenn man sie denn ließe.

Meist sind sie nicht reich, aber gut situiert. Genau die Leute bei denen sich der Staat in den letzten Jahrzehnten massiv bedient hat, um die Superreichen noch reicher zu machen und denen man erzählt hat, dass die Armen einfach zu viel Geld kosten. Der Bankster der sich bereits 19 der insgesamt zwanzig der vorhandenen Kekse genommen hat, warnt den Bürger vor dem Arbeitslosen der ihm seinen Keks stehlen will und frisst ihn dann auch noch.

Dieses Bild habe diese Reichsbürger fest im Kopf und es ist ja auch nicht so ganz unwahr. Dazu kommt dass man gegen sie, wie gegen alle Schwachen natürlich stets mit der ganzen Härte des Gesetztes reagiert. Hoeneß und Rummenigge dürfen Gesetze brechen, normale Bürger sie noch nicht mal etwas großzügiger auslegen. Da diese Leute keinen Ausweg mehr sehen und oft genug auch in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht sind, suchen sie verzweifelt einen Ausweg.

Das ist scheinbar die Reichsbürgeridee. Und auch die ist nicht ganz so falsch. Man kann mit etwas Großzügigkeit den Gründungsprozess der BRD sicherlich in Frage stellen und man könnte sich auch mit etwas gutem Willen einreden, dass es dieses Deutschland rein rechtlich gar nicht geben dürfte. Aber das ist natürlich Blödsinn.

Denn jeder von uns ist durch eigenes Handeln oder das seiner Eltern schon bei Ausstellung der Geburtsurkunde durch konkludentes Handeln diesem was auch immer es sei, beigetreten. Jeder Schulbesuch, jeder Ausweis, jeder Führerschein, jede Steuerzahlung hat dieses konkludente Handeln rechtsfester gemacht. Da kann man dann nicht einfach raus. Da muss man eine Entlassung aus der Staatsbürgerschaft beantragen und weggehen.

Es ist also praktischer sich der Mehrheitsmeinung anzuschließen, dass dieser Staat existiert und man als einzige Chance die Möglichkeit hat, diesen Staat zu ändern, was die Reichsbürger aber für aussichtslos halten, weshalb sie sich alle in ihren reihenhausgroßen Fürstentümern einrichten und fröhlich vor sich hinspinnen.

Selbstverständlich belastet dass die Allgemeinheit. Aber anstatt wie bei einem trotzigen Kind zu reagieren und den Leuten zu erklären, wo der grundsätzliche Fehler (konkludentes Handeln) ihrer Sichtweise liegt und ihnen auch klar zu machen, was die Folgen ihres Handelns sind, wird gleich die volle juristische Armee in Einsatz gebracht. Man haut einem Kind das trotzig mit dem Fuß auftritt gleich mit dem Vorschlaghammer vor den Kopf.

Ich möchte immer noch entsetzt reagieren, aber es fällt mir immer schwerer. Nehmen wir z.B. diesen speziellen Fall. Wolfgang P. aus Georgensgmünd war Jäger, Sportschütze und hatte mehr als 30 Waffen, soweit bisher bekannt ist auch ordnungsgemäß angemeldet. Ach ja der Mann ist Betreiber einer Kampfsportschule und gilt als Fachmann für Gewaltprävention. Das Schlimmste aber kommt erst noch.

Er hat seine Kraftfahrzeugsteuer nicht bezahlt und dem Amt zurückgeschrieben, dass er Reichsbürger sei. Kennen sie den?

Eine Bushaltestelle mitten in Niedersachsen in der Pampa. Meilenweit kein Haus zu sehen, nur dieses Wartehäuschen. Der Bus fährt vor, der Fahrer öffnet die Tür und es steigt ein Fremder ein und sagt: „Django zahlt nicht!“ setzt sich auf einen Platz und der Fahrer hat irgendwie die Musik von „Spiel mir das Lied vom Tod“ im Ohr und fährt weiter ohne etwas zu sagen.

So geht das nun jahrein, jahraus, bis der Fahrer direkt vor der ungeliebten Rente sich ein Herz fasst und an seinem letzten Arbeitstag fragt: „Warum zahlt Django nicht?“ und Django ihm fröhlich antwortet. „Django zahlt nicht, Django hat Monatskarte.

Sie finden das sei angesichts eines toten Polizisten unangemessen. Sie haben recht. Obwohl meine Oma immer sagte: „Spaß muss sein und wenn es auf der Beerdigung ist!“ Werden wir also wieder seriös. Weil er die Kraftfahrzeugsteuer nicht bezahlte, hat man ihm nicht die Karre still gelegt, sondern das Landratsamt stufte ihn als unzuverlässig ein und entzog ihm den Waffenschein. Sie spüren den dichten Zusammenhang zwischen Tat und Strafe.

Der Bestrafte wohl sicher nicht. Ach ja als Jäger und Sportschütze habe ich nie 30 Waffen gebraucht. Wenn man mal davon absieht, dass man vielleicht mal ein altes Gewehr erbt, dann dürften im Normalfall zwei bis fünf Waffen, das äußerste sein, was gebraucht wird. Wer hat also warum dieses Arsenal genehmigt. Den sollte man sofort vor Gericht stellen und aus seinen Ämtern nehmen.

Aber es kommt noch schlimmer. Während uns das Märchen vom einfachen Polizisten auf den so ein böser Reichsbürger geschossen hat, mit viel Trommelwirbel erzählt wird, wurde tatsächlich ein SEK eingesetzt. Profis für derartige Einsätze. Aber Wolfgang P. schien schon Bescheid zu wissen. Er hat durch die Zimmertür auf die Polizisten geschossen.

Der jetzt tote Polizist wurde von drei Kugeln getroffen bei denen sich eine durch seine Schutzweste bohrte. Nein keine Diskussion um die Ausrüstung unserer Polizei. Wozu auch. Das Thema ist ja bekannt. Der Täter trug auch eine Schutzweste aber wohl von besserer Qualität und blieb unverletzt.

Ein weiterer Polizist erlitt einen Oberarmdurchschuss und andere wurden von Glassplittern wie auch immer verletzt. Wie habe ich mir also diesen Einsatz vorzustellen? Ich war nicht dabei, aber habe ich ein Szenario im Kopf wie es böser nicht sein kann. Da schleichen die SEK Leute sich auf leisen Socken in die Bude und stehen vor der Schlafzimmertür um sich gemeinsam durch diese zu beamen und der Täter muss nur auf die Tür zielen. Oder sind sie mit viel Krach gekommen? Dann hätten sie vielleicht vorher versuchen sollen mit ihm zu reden oder ihn doch zumindest abzukühlen.

Als damals in Berlin eine Frau durch die Toilettentür erschossen wurde, haben wir alle gewitzelt wie viele Türen der Täter wohl zum Üben gebraucht hat, bis das auf  Anhieb klappte. Aber all diese Geschichten helfen uns ja nicht weiter. Wir müssen ja irgendwie als Gesellschaft und als Mensch reagieren. Dabei ist es egal ob der Einsatz völlig bescheuert geplant und mit unzureichender Ausrüstung durchgeführt wurde. Das Opfer und seine Familie sind zu bedauern. Ja auch der Oberarmdurchschuss bekommt ein klein wenig Bedauern, ein Tütchen voll.

Und nun die gesellschaftliche Reaktion. Alle Reichsbürger müssen ihre Waffen abgeben. Halt, das war ja eher unter den Nazi üblich. Bei uns gibt es Sippenhaft ja nur für Hartz IV Empfänger und deren Sippschaft. Was könnte also wirklich getan werden?

Gar nichts. Wir können die Anzahl der Waffen begrenzen die jemand besitzen darf. Aber dummerweise hat er ja nur aus einer Waffe geschossen. Würde also an der Lage nichts ändern. Wir könnten die Reichsbürger zurück in die Gesellschaft holen. Uns mit ihrer Situation auseinandersetzen und ihnen Wege aufzeichnen.

Mhm. Geht auch nicht. Unser Staat vergibt den Reichen und knüppelt alle anderen nieder. Das können wir so schnell nicht ändern. Einige wollen schärfere Gesetze bei Gewalt gegen die Polizei. Ob dann der tote Polizist weniger tot wäre. Ich wage es zu bezweifeln.

Und wenn ein Innensenator wie Herr Henkel die Polizei für seine persönlichen Rachefeldzüge benützt, jede Bulleuse bei einer beschissenen Verkehrskontrolle einen auf Riesenglocke macht, dann bleibt bei den Bürgern nicht viel Verständnis für unsere Polizei.

Die Polizei wurde zur Hure der Politik gemacht.

Ob Gorleben oder Startbahn West. Die Politik und die Bevölkerung haben – gegenseitig – kaum noch Respekt voreinander. Sie sehen sich als, und sind wohl auch Gegner.

Tatsächlich ist der einzelne Polizist mit Sicherheit noch genauso gut und so schlecht wie in meiner Kindheit. Aber während wir damals noch freudig auf die Polizei zugingen, erlebe ich heute immer wieder, dass die Kids, nach dem Alarmruf „Die Bullen kommen!“ sofort in alle Richtungen diffundieren und die werden nie wieder ein gutes Verhältnis zu dieser Polizei haben.

Ich weiß nicht ob das noch reparabel ist, befürchte aber, dass der Zeitpunkt verpasst wurde. Die Polizei ist nur noch der Büttel der Mächtigen und der Frust der eigentlich den Mächtigen gilt, entlädt sich bei der Polizei. Man schlägt den Esel, weil man an die wirklich Schuldigen nicht herankommt. Aber der Esel ist auch gerne bereit sich richtig hinzustellen um den Mächtigen zu gefallen. Obwohl weiter Stellen gestrichen und die Ausstattung gekürzt wird.

oligarchie bonzen polizeischutz

Nein. Es wird wohl nichts mit einer gesellschaftlichen Reaktion. Dafür sind dieser Staat und die Gesellschaft die mehrheitlich nicht von ihm profitiert viel zu weit auseinander.

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Quelle: Reichsbürger – Reaktion der Gesellschaft auf einen toten Polizisten – Der BRD Schwindel

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