Europäische Bankenkrise erreicht Deutschland: Bremer Landesbank droht die Pleite – Kopp Online

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Im Rahmen unserer Berichterstattung über den Fortgang der europäischen Bankenkrise beobachteten wir gestern eine überraschende Entwicklung im Zusammenhang mit der Deutschen Bank. Wie das Handelsblatt unter Berufung auf die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, will die Deutsche Bank in aller Stille Schiffskredite im Milliardenvolumen verkaufen.

Damit sollen Risiken in diesem Wirtschaftsbereich abgebaut werden, von dem die Gläubiger annehmen, dass er in der nächsten Zeit von der Europäischen Zentralbank genauer überwacht werde. So hatte die EZB von vielen Banken detaillierte Informationen über Schiffskredite und Rücklagen für ausfallgefährdete Darlehen angefordert.

»›Sie versuchen, ihr Portfolio abzubauen, und dies schließt toxische Schulden ein. In kommerzieller Hinsicht ist es durchaus sinnvoll, zu versuchen, durch Verkäufe ihre Bilanz zu säubern‹, erklärte eine Quelle aus der Finanzwelt. Die Deutsche Bank, die in der Schiffsbranche Positionen im Umfang zwischen fünf und sechs Milliarden Dollar hält, verweigerte eine Stellungnahme«, berichtete Reuters.

Diese Informationen bestätigen seit Langem kursierende Gerüchte, nach denen deutsche Banken zu den größten Kreditgebern im Schiffsbereich gehören. Dieser Wirtschaftsbereich ist in der letzten Zeit aufgrund des Rückgangs des Welthandels in massive Schwierigkeiten geraten.

Und so könnten einige dieser nichtrückzahlbaren Schiffskredite zum Katalysator der europäischen Bankenkrise werden, die nunmehr auch Deutschland erfasst, das bisher als uneinnehmbare Festung galt. Denn hier in Deutschland befindet sich der nächste Dominostein, der als Folge der Bankenkrise in Europa umzufallen droht: die Bremer Landesbank (BLB).

Bereits vor einigen Wochen berichtete die Financial Times, die Norddeutsche Landesbank (NordLB), die Landesbank der Bundesländer Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, erwäge, die vollständige Kontrolle über die angeschlagene Bremer Landesbank zu übernehmen.

An dieser hält die NordLB bereits 54,8 Prozent der Anteile. In der vergangenen Woche hatte die BLB erklärt, ihr drohe aufgrund nichtrückzahlbarer Schiffskredite ein Verlust von 400 Mio. Euro. Dies würde die Verluste im laufenden Geschäftsjahr in einen mittleren dreistelligen Millionenbereich hochtreiben.

Noch vor einem Monat hatten der Chef der NordLB, Gunter Dunkel, und die Bremer Finanzsenatorin und Vorsitzende des BLB-Aufsichtsrats, Karoline Linnert, erklärt, die Anteilseigner der BLB – die NordLB, die Stadt Bremen und der Sparkassenverband Niedersachsen – hätten einer Kapitalerhöhung zugestimmt.

»Die weiterhin anhaltende Krise der Schiffsmärkte und die erhöhten regulatorischen Anforderungen an die Schiffsbewertungen werden wie bekannt zu einem Verlustausweis der Bank führen und eine Kapitalerhöhung erforderlich machen. Fest steht, dass die Träger dafür Sorge tragen, dass das Kapital der Bank in einem angemessenen Umfang intakt gehalten wird. Über die Art und Weise der Kapitalerhöhung werden derzeit intensive Gespräche geführt. Dabei wird insbesondere die Einbringung der Anteile der Freien Hansestadt Bremen in die NORD/LB AöR oder ein Verkauf der Anteile an die NORD/LB AöR sowie die vertraglichen Gestaltungen inklusive des Staatsvertrages geprüft. Die erforderlichen Entscheidungen werden bis Jahresende 2016 umgesetzt«, hieß es in der Erklärung vom 10. Juni dieses Jahres.

Die Märkte nahmen diese Erklärung freudig auf und gingen rasch zum Tagesgeschäft über, denn mit einem finanzstarken Geldgeber im Rücken, der die Rettung der BLB absichert, kann ja nichts passieren. Es gibt allerdings ein kleines Problem: Dieses Szenario gilt möglicherweise nicht mehr. Denn heute titelte das Handelsblatt: »Kapitalerhöhung für das angeschlagene Geldhaus fraglich«. Und weiter hieß es in dem Artikel:

»Schiffskredite haben die Bremer Landesbank so in Not gebracht, dass sie ohne staatliche Hilfe nicht überleben kann. Direkte Kapitalhilfen aus Niedersachsen soll es aber wohl nicht geben.«

Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil brachte den politischen Konflikt, der das im Juni noch von der FT skizzierte Trugbild einer ruhigen See zerstört, auf den Punkt:

»Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hält eine gemeinsame Kapitalerhöhung seines Bundeslandes mit Bremen für die angeschlagene Bremer Landesbank (BLB) derzeit nicht für realistisch. ›Der klassische Weg, nämlich dass beide Partner das notwendige Kapital bereitstellen, scheint nicht zu funktionieren‹, sagte der Regierungschef dem Weser-Kurier (Donnerstag). ›Aber wir werden uns alle Mühe geben und die Bremer Landesbank retten.‹«

Wie das Handelsblatt feststellt, steht das plötzliche Platzen des Blütentraums einer BLB-Bankenrettung im Zusammenhang mit einem politischen Streit.

Weil reagierte, so die Zeitung, auf Äußerungen seines Parteikollegen und Bremer Bürgermeisters Carsten Sieling, der eine Kapitalerhöhung der BLB kategorisch ausschloss, da ein solches Vorgehen nicht im Einklang mit EU-Richtlinien stünde. Dies erinnert alles an die gegenwärtige chaotische Lage in Italien.

Deutschland findet sich so mit anderen Worten in der durchaus ironischen Situation, dass die von ihm vertretene Unnachgiebigkeit im Falle von Bankenrettungen nun dazu führt, dass sich das Land möglicherweise an einem Rettungspaket für eine seiner größeren Banken beteiligen muss.

Natürlich ist es durchaus möglich, dass noch eine Lösung für die BLB gefunden wird, und Bundeskanzlerin Merkel wird nicht nur beim Rettungspaket für die angeschlagene BLB, sondern auch bei der Bankenrettung in Italien Zugeständnisse machen müssen, da beide Hand in Hand gehen. Es ist aber auch möglich, dass sich Deutschland weigert, sogar eine seiner eigenen Banken zu retten.

Der Ausgang dieser Krise ist offen, aber die Märkte erkannten die unterschwellige Botschaft rasch und begannen, sich auf das Schlimmste vorzubereiten: Im Intraday-Handel, dem taggleichen Kauf und Verkauf von Wertpapieren, fielen die praktisch als Eigenkapital angesehenen und mit 9,5 Prozent verzinsten Wandelanleihen der Bank, die 2049 fällig werden, innerhalb weniger Minuten von 120 auf 73; ein Absturz, der auch die globalen Märkte aufschreckte.

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Quelle: Europäische Bankenkrise erreicht Deutschland: Bremer Landesbank droht die Pleite – Kopp Online

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