Modernes Bankensystem: Wenn der Kleinsparer mit eigenem Geld seine Bank retten soll. | N8Waechter.info

Die DWN Deutsche Wirtschafts Nachrichten berichten am 05.01.16 unter dem Titel „Modell für Europa: Banken-Crash führt zur Enteignung von Kleinsparern“ über eine Möglichkeit, Bankkunden an den Verlusten Ihres Instituts teilhaben zu lassen.

Italienische Regionalbanken in Schwierigkeiten

Es ist schockierend was gerade in Italien passiert. Ein paar Regionalbanken waren in existenzbedrohende Schwierigkeiten geraten. Es ist von Privatbanken genauso die Rede wie von Sparkassen. Wobei eine Sparkasse nichts anderes als eine Regionalbank ist, da diese normalerweise ihre Geschäftstätigkeit auf eine Region wie eine Stadt oder einen Landkreis beschränkt.

Die Kunden werden an der Rettungsaktion beteiligt

Demzufolge fand eine Rettungsaktion statt an der die Bankkunden beteiligt wurden. Allerdings musste man erst das neue Kalenderjahr 2016 abwarten, da ab dem 01.01.2016 eine neue europäische Bankenabwicklungs-Richtlinie namens „BRRD – Bank Recovery and Resolution Directive“ in Kraft getreten ist. Damit waren die gesetzlichen Grundlagen gegeben.

Neuer Rettungsmechanismus

Der Mechanismus dieses Verfahrens scheint recht einfach. An den Verlusten werden nur solche Kunden des Bankinstituts beteiligt, die in der Vergangenheit bestimmte Anleihen des Instituts gezeichnet bzw. gekauft hatten. Weiter scheint es, als ob die Bankberater der jeweiligen Institute im Verlauf des Jahres 2015 den Kunden gerade diese Art von Papieren wärmstens an Herz gelegt hätten. Und die Kunden haben im Vertrauen auf die langjährige Geschäftsbeziehung gekauft ohne zu ahnen wie es um das Institut wirklich bestellt ist und was sie erwartet?

Ernüchterung am Jahresultimo

Dann folgte zum Jahresende 2015 die Ernüchterung. Die Banken gehen in die Abwicklung. Im Prinzip handelt es sich dabei um einen einfachen Buchungsmechanismus, bei dem die Inhaber der Papiere (nachrangige Anleihen und Aktien) im Endeffekt im wahrsten Sinn des Wortes leer ausgehen. Sie können ihre Anlagegelder abschreiben.

Neues Verfahren, hohe Effizienz

Von der „Qualität“ her ist dieses Verfahren neu, denn bisher hat es niemand gewagt über diese Art und Weise die Kundschaft an den Verlusten ihres Instituts teilhaben zu lassen. Man denkt, es gäbe da einen „Einlagensicherungsfonds“, nur scheint dieser hier nicht zu greifen. Die Anleger gehen leer aus, der Einlagensicherungsfonds wird bewusst nicht angezapft.

“Vater Staat” hilft nicht mehr

Dann wird nach „Vater Staat“ um Hilfe geschrien. Doch es ist genau der, der das Fiasko verursacht hat. Wahrscheinlich gibt er etwas hinzu für die Härtefälle und für die Anleger, die viel von ihrem persönlichen Vermögen verloren haben. Aber den größten Teil werden wohl die Anleger tragen.

Die „Qualität des Vorgehens“ ist neu und damit ändern sich die Spielregeln. Vor allem für die Bankkunden, denn das neue gesetzliche Umfeld existiert jetzt und die Berechtigung und Nutzungsmöglichkeit dafür macht dieses Vorgehen möglich.

Kundenschutz?

Für die Kundschaft taucht die Frage auf: „Wie kann ich mich davor schützen? Wie kann ich mich vor einer Verlustbeteiligung an meinem Bankinstitut schützen?“.

Es bleibt nicht mehr viel übrig

Zum einen gibt es bei Banken „Konten“, zum anderen gibt es „Papiere“. Einfach ausgedrückt. Papiere wären „Schuldverschreibungen aller Art“, auch Aktien oder Anteile (damit meine ich z.B. Anteile wie sie bei Genossenschaftsbanken angeboten werden o.ä.). Eine Schuldverschreibung wäre eine Anleihe oder eine Art Anleihe, heutzutage ist das schwerer durchschaubar weil das Kind stets einen anderen Namen trägt.

Die genauen Details stehen wie üblich auf vielen Seiten im Kleingedruckten. Auf jeden Fall ein Papier, dass auf den Inhaber oder die Person ausgestellt ist und normalerweise in einem Depot verbucht wird. Aber das Papier kann auch als „effektives Stück“ ausgehändigt sein. Sparzertifikate oder Sparbriefe sind noch etwas anderes weil diese eine Sonderform einer Spareinlage darstellen.

Schneller Zugriff

Was übrig bleibt ist ein Konto auf das man schnell Zugriff hat und an das Geld heran kann. Es sollte daher stets liquide sein, ohne Laufzeitvereinbarung.

Der Bankkunde muß sich bewusst umstellen

Wie gesagt, die „Qualität des Vorgehens“ ist neu. Als Kunde bleibt einem nichts anderes übrig als sich darauf einzustellen. Das Vorgehen in Italien zeigt wo es lang geht und wenn einer anfängt ziehen die anderen mit, wenn sich das Vorgehen bewährt.

Finger weg, es gibt sowieso keine Zinsen

Angebote der Bank sollten daher kritisch betrachtet werden. Im Moment ist es ganz einfach, denn der Kunde bekommt keine Zinsen. Das gibt das normale Zinsniveau in Deutschland und in der Eurozone im Prinzip nicht her. Wenn man also ein Angebot mit einer „attraktiven Verzinsung“ vorgelegt bekommt, schadet es vielleicht nicht, auf dieses Angebot zu verzichten. Mit „einem bisschen Mehr“ kann alles weg sein, dann war die Gier zu groß.

Wir werden Ihr Vertrauen nicht mißbrauchen! Oder doch?

Die betroffenen italienischen Bankkunden haben ihrer Bank vertraut. Sie hätten Ihrer Bank besser misstrauen sollen. Aber wer denkt da schon dran bei einer langjährigen Geschäftsverbindung und der vertrauensvollen freundschaftlichen Verbundenheit mit den Mitarbeitern.

Dennoch, man sollte es stets beherzigen. Die „Qualität des Vorgehens“ ist neu. Und eine Art “Vertrauenskrise” wäre ebenfalls neu.

Jede Bank kann es erwischen

Es kann jede Bank treffen in jeder Größe. Ob Privatbank, kleines oder großes öffentlich-rechtliches Institut, Banken aus dem Genossenschaftsbereich oder Spezialkreditinstitute. Kein Kunde wird eine Bankbilanz je verstehen, trotz aller Transparenz.

Der Hilferuf nach „Vater Staat“ dürfte zwecklos sein, dieser hat selbst kein Geld und außerdem setzt er die rechtlichen Möglichkeiten nur um. Er wird sich selbst nicht schaden. Denn das ganze Bankensystem kann der Staat nicht retten. Man dürfte ziemlich genau wissen, wie es um die Banken im Land bestellt ist. Wozu gibt es Stresstests und das ganze aufwändige Melde- und Berichtswesen?

Alles ändert sich schnell!

Vor ein paar Jahren hätte ich solch ein Verfahren und Vorgehen für unmöglich gehalten. Es kann aber jetzt anfangen. Der Gesetzgeber hat seine Hausaufgaben gemacht, aus Zypern und Griechenland hat man gelernt.

Seien Sie daher auf der Hut mit Ihrem Geld

Wie „sicher“ ist Ihr Geld auf der Bank wirklich? Als Bankkunde bleibt Ihnen nichts anderes übrig als sich zunächst anzupassen aber auch die „Qualität Ihres eigenen Vorgehens“ neu zu bestimmen. Man sollte bedenken, dass gerade „Kleinvieh“ viel Mist macht. Im Bankerjargon bedeutet „Kleinvieh“ auch „Kleinsparer“. Auf die Masse kommt es an.

Und ob der „Einlagensicherungsfonds“ parat steht wage ich zu bezweifeln. Es kommt auf die Art der Einlage an. Eine Anleihe ist keine Einlage. Und damit bleibt die Sicherung durch den Sicherungsfonds außen vor.

Quelle: Modernes Bankensystem: Wenn der Kleinsparer mit eigenem Geld seine Bank retten soll. | N8Waechter.info

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