Egon von Greyerz: Aktienmarkt-Kollaps in China heizt weltweite Panik an | N8Waechter.info

Von Egon von Greyerz

Egon von Greyerz2015 endete als ein weiteres Jahr, in dem die meisten Investoren sich mit ihren Aktien, Bonds, Immobilien und anderen Investments sicher gefühlt haben. Warum sollten sie auch nicht? Die meisten großen Investment-Märkte stehen auf Allzeithochs. US-Aktien sind seit 2009 um fast das Dreifache gestiegen und die Märkte für Top-Immobilien florierten.

Kurzfristig zeigen sich keine Risiken in den Märkten, abgesehen von der Stimmung und der Last des Geldes. Aber mit dem fast 8-prozentigen Absturz und dem dadurch ausgelösten Handelsstopp am Aktienmarkt in China und den dadurch ins Schwanken geratenen Aktien in Europa hat die weltweite Panik gerade erst angefangen.

Die Märkte können für eine lange Zeit irrational bleiben

Warum kann sich dieses Investment-Shangri-La also nicht für weiteres Jahr fortsetzen? Dass es in keiner Form reale Werte oder Risiken mehr widerspiegelt, ist für die meisten Investoren irrelevant. Wir wissen, dass Märkte für eine lange Zeit irrational bleiben können. Die Risiken, die die Weltwirtschaft eines Tages zu Fall bringen werden, begleiten uns nun schon einige Jahre. 2007 bis 2009 standen die Welt-Finanzmärkte an der Schwelle zum Kollaps, aber mit einem Zentralbank-Programm der Geldschöpfung und Garantien in Höhe von $ 25 Billionen wird das Problem wieder einmal auf die lange Bank geschoben.

Seit die Federal Reserve 1913 gegründet wurde hat die Welt eine Beschleunigung bei der Kreditschöpfung erlebt, aber die wirkliche Beschleunigung begann am 15. August 1971, als Nixon die Golddeckung des Dollars aufgab. Der Aktienmarkt-Crash von 1987 und die Immobilien-Blase in vielen westlichen Ländern Anfang der 1990er leitete die finale Phase des lockeren Geldes ein – angeführt von Alan Greenspans unverantwortlichen Währungs-Manipulationen. Aber Greenspan wurde natürlich von Politikern und Investoren dafür geliebt, denn er schuf damit eine weitere Investment-Blase, die im Jahr 2000 jedoch zum Crash führte.

Mit noch mehr lockerem Geld erreichte die Welt die nächste Blase und Krise 2007 bis 2009. Mit Hilfe von FED-Chef Ben Bernanke, dem produktivsten Menschen der amerikanischen Geschichte, haben wir jetzt die Super-Blasen-Ära erreicht. Erinnern Sie sich daran, dass Bernanke in seinen acht Jahren als FED-Chef die US-Schulden von $ 8 Billionen auf mehr als $ 17 Billionen verdoppelt hat. Die US-Regierung benötigte mehr als 200 Jahre, um von Null auf $ 8 Billionen zu kommen, ein Kunststück, welches Bernanke in einem Bruchteil der Zeit (3/100) bewältigte.

Der Fairness halber, nicht nur die US-Schulden wurden aufgeblasen. Die weltweite Verschuldung lag Mitte der 1990er bei etwa $ 20 Billionen und heute liegt sie bei $ 225 Billionen. Das ist eine unglaubliche Verzehnfachung der Weltschulden innerhalb von 20 Jahren. Und allein seit 2008 haben sich die weltweiten Schulden um 50 Prozent erhöht. Es sollte klar sein, dass dieses exponentielle Kreditwachstum kein gutes Ende finden wird.

Märkte basieren auf Manipulation und Finanzsteuerung

Der Effekt der Schulden-Kreation ist, dass damit versucht wird zu verschleiern, was tatsächlich in der Wirtschaft abläuft. Man nehme die Löhne und Gehälter in den USA, bereinigt um die reale Inflation. Heute liegen sie halb so hoch wie 1973. Die empfundene Verbesserung des Lebensstandards seitdem, wurde also durch massive Erhöhung sowohl privater, als auch Schulden der Regierung erreicht.

Mit dem realen BIP in den USA ist es das Selbe, es ist seit 2006 um 7 Prozent gefallen. Folglich ruht der derzeitige Aktien-Boom nicht auf einem soliden Fundament, sondern eher auf Finanzsteuerung.

Wir werden durch fabrizierte und manipulierte Informationen in einer Welt finanzieller Repression in die Irre geführt. Natürlich ist es möglich, die meisten von uns den Großteil der Zeit zu täuschen, an irgendeinem Zeitpunkt in der nicht mehr allzu fernen Zukunft werden die Finanzmärkte uns jedoch die Wahrheit vor Augen führen. Dies wird geschehen, wenn Aktien und Bond zusammen mit den meisten anderen Währungen, angeführt durch den Dollar crashen.

Die Abstürze werden die gleiche Größte haben, wie die Kreditschöpfung, die wir in den letzten paar Jahrzehnten erlebt haben, darunter auch die Derivate-Zeitbombe von $ 1,5 Billiarden. Wir werden also erleben, wie Wertanlagen und Kreditmärkte in den kommenden Jahren mindestens hunderte Billionen von Dollars verlieren.

Super-Blasen

Wir stehen wahrscheinlich am Ende eines großen Wirtschafts-Zyklus. Ob es ein 2.000-, 300-, oder 100-Jahres-Zyklus ist, werden wir erst nach dem Ereignis wissen. Der Umfang so vieler Blasen auf globaler Basis deuten jedenfalls auf einen sehr großen Zyklus hin. Es finden sich viele Ähnlichkeiten zum Ende des Römischen Imperiums. Die exzessive und moralische Dekadenz in der heutigen Welt deutet definitiv auf das Ende einer großen Ära hin.

Natürlich gibt es keine Möglichkeit zu sagen, ob die Wende im Zyklus 2016 geschehen wird. Das Ende von Super-Zyklen ist sehr schwer zu bestimmen. Was jedoch klar ist, ist dass die Risiken auf der Welt jetzt größer sind, als jemals zuvor. Ich habe über die Wertanlagen- und Kredit-Blasen geschrieben. Diese Blasen sind in Japan, China, dem Großteil Asiens, Saudi Arabien, dem Mittleren Osten, Russland, Europa, Brasilien, vielen anderen Ländern in Süd-Amerika und Nord-Amerika omnipräsent. Auf der Welt gab es noch nie eine Blase dieser Größenordnung.

Soziale Unruhen und Kriegsrisiko

Wir haben auch viele politische und geopolitische Probleme. Die meisten eben genannten Länder werden, aufgrund des kommenden wirtschaftlichen Abschwungs, soziale Unruhen erleben. Die Migration nach Europa wird ebenfalls viele Probleme hervorrufen.

Ein weiteres großes Risiko ist das einen potenziellen Kriegs, vielleicht sogar eines Atomkriegs, im Mittleren Osten und zwischen den USA und Russland. Ein Konflikt zwischen den USA und China um das Süd-Chinesische Meer ist ebenfalls eine reale Möglichkeit. Das Risiko eines großen Konflikts ist jetzt größer denn je seit dem Zweiten Weltkrieg.

Die Welt ist heute ein Minenfeld ökonomischer und politischer Risiken und wenn eine Mine hochgeht, dann besteht eine substanzielle Wahrscheinlichkeit eines massiven globalen Domino-Effekts. Da wir nicht wissen, wann die erste Mine detoniert, müssen wir alle notwendigen Vorsichtsmaßnahmen treffen, damit wir auf das was passieren könnte vorbereitet sind.

In diesem Artikel werde ich nicht auf all die Vorbereitungen eingehen, über die ein jeder nachdenken sollte. Aber Investoren sollten Mark Twains Worte beherzigen:

»I am more concerned about the return of my money than the return on my money.«
(»Ich mache mir mehr Sorgen darum, ob mein Geld zurück kommt, als über die Rendite meines Geldes.«)

Beispiellose Zerstörung von Vermögen

Während die Asset- und Kredit-Blasen implodieren wird es zu einer enormen Vermögens-Zerstörung kommen, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat. Es wird das Gegenteil des massiven Wachstums in schuldenbasierenden Wertanlagen sein, die wir in den vergangenen hundert Jahren erlebt haben. Aber die Auslöschung der Vermögen wird sogar noch größer sein, wegen der in den nächsten paar Jahren kommenden Geldschöpfung der Zentralbanken, mit der sie versuchen werden einen globalen Kollaps abzuwenden.

Die Gelddruckerei wird jedoch keinen positiven Effekt haben, sondern stattdessen die Schulden exponentiell erhöhen, was zu Hyperinflation und der Zerstörung der meisten Währungen und des Geldsystems wie wir es kennen führen wird. Eine deflationäre Implosion des Finanzsystem wird die Folge sein. Die meisten Investoren werden dies nicht kommen sehen und auch nicht das Risiko in Betracht ziehen, dass es passieren könnte. Meiner Ansicht nach ist es keine Frage des ob, sondern nur des wann.

Vermögens-Sicherung

Wenn man weiß, dass das Risiko eines Brandes sehr hoch ist, würde man dann nicht eine Feuerversicherung abschließen? Eine Brandschutz-Versicherung kann man nicht mehr abschließen, wenn das Feuer schon brennt. Jetzt ist also die Zeit, sich gegen große Risiken abzusichern.

Im Verlauf der Geschichte war Gold die beste verfügbare Absicherung in Krisenzeiten. Über 5.000 Jahre war Gold das einzige Geld, welches überlebt und seine Kaufkraft erhalten hat.

Jede Papier-Währung oder Quasi-Papier-Währung, wie der römische Denar, hat am Ende seinen innewohnenden Wert von Null erreicht. Gold war im Verlauf der Geschichte das einzige stabile Geld. Vor zweitausend Jahren kaufte eine Unze Gold einen Anzug für einen Mann – genau wie es heute der Fall ist.

Um sein Vermögen gegen die aktuellen beispiellosen Risiken in der Welt abzusichern, sollten Investoren einen wichtigen Teil an physischem Gold besitzen und es außerhalb des Bankensystems lagern. Dies wird sich als die beste Versicherung gegen die kommende Vermögens-Vernichtung erweisen.

Quelle: Egon von Greyerz: Aktienmarkt-Kollaps in China heizt weltweite Panik an | N8Waechter.info

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